Deutscher Gewerkschaftsbund

11.10.2018
Strategiepapier der Arbeitnehmervizepräsident/innen

Die Zukunft des Handwerks beginnt jetzt

 

In Caputh tagten vom 28. – 30.06.2018 die Arbeitnehmervizepräsident/innen der Handwerkskammern. Unter dem Motto „Arbeitswelt Handwerk – Fit für die Zukunft“ erarbeiteten sie strategische Leitlinien für die Entwicklung von Ausbildung, Qualifizierung und Weiterbildung, Gute Löhne, Tarifbindung und Vergaberecht sowie den Kampf gegen prekäre Jobs im Handwerk.

Als Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung begrüßte Kurt Beck, Ministerpräsident a. D., die Arbeitnehmervizepräsidenten/innen und führte ins Thema ein. Stefan Körzell, für Handwerkspolitik zuständiges Vorstandsmitglied des DGB, Stefan Cibis, Mitglied im Vorstand des Deutschen Handwerkskammertages und Arbeitnehmervizepräsident der HWK Oldenburg sowie Sabine Poschmann (MdB), Mittelstandspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion gaben zusätzliche Impulse. Im Anschluss war die Diskussionsrunde mit allen Teilnehmern eröffnet. Aus dieser Diskussionsrunde und den weiteren Arbeitsgruppen entstand ein Forderungspapier. Die Kernpunkte geben wir gekürzt wieder.

 

Ausbildung, Qualifizierung, Weiterbildung

Damit das Handwerk für Auszubildende attraktiver wird und bleibt, muss sich die Qualität der Ausbildung deutlich verbessern – auch, um im Wettbewerb gegen Ausbildungsberufe anderer Branchen zu bestehen. Jetzt sollen konkrete Maßnahmen die Ausbildungs- und Qualifizierungsbedingungen im Handwerk verbessern:

– In allen Handwerksbranchen soll nach Vorbild des Baugewerbes eine Ausbildungsumlage eingeführt werden.

– Ausbilder/innen müssen für die neuen Aufgaben in der Arbeitswelt 4.0 qualifiziert werden.

– Im Prüfungswesen muss gewährleistet sein, dass möglichst einheitliche Qualitätsstandards eingehalten werden. Für Prüfer/innen muss es eine bezahlte Freistellung geben. Der „Meisterbrief“ hat sich als Qualifikations- und Qualitätsmerkmal des Handwerks bewährt. Perspektivisch sollte die Meisterpflicht wieder in allen Gewerken eingeführt werden

– nicht zuletzt als Mindestqualifikation für die Gründung und Führung eines Betriebs.

 

Gute Löhne, Tarifbindung und Vergaberecht

Nur mit fairen Löhnen hat das Handwerk eine Zukunft. Gute Arbeit muss wertgeschätzt und gut bezahlt werden. Zwar gibt es im Handwerk bereits eine Reihe von allgemeinverbindlichen Branchenmindestlöhnen. Doch es bleibt noch viel zu tun:

– Mindestlöhne müssen flächendeckend kontrolliert und durchgesetzt werden. Dafür brauchen die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls, die Handwerkskammern sowie die Sozialversicherungsträger wirkungsvolle Kontrollmöglichkeiten und ausreichend Personal.

– Um im Wettbewerb um Fachkräfte zu bestehen, braucht das Handwerk mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. Es braucht möglichst flächendeckende Tarifverträge, die mit den zuständigen Mitgliedsgewerkschaften des DGB ausgehandelt werden.

– Wir brauchen ein verbessertes Vergaberecht. Öffentliche Aufträge sollten nur an Unternehmen vergeben werden, die tariftreu sind und entsprechende Löhne zahlen – und sogenannte „OT-Mitglieder“ sollten davon ausgeschlossen sein.

Innungen und Innungsverbände müssen ihrem gesetzlichen Auftrag endlich wieder flächendeckend nachkommen und Tarifverträge abschließen. Innungen, die Tarifflucht betreiben, muss notfalls der Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts aberkannt werden.

 

Gute Arbeit statt prekärer Jobs

Die Digitalisierung bietet dem Handwerk viele Chancen und ist nicht die ausschließliche Ursache für prekäre Jobs. Doch in einigen Bereichen verstärkt sie bestehende Probleme. Unsere Forderungen zielen darauf ab, die Chancen der Digitalisierung auch für die Beschäftigten zu nutzen und die negativen Auswirkungen der Digitalisierung einzudämmen:

– Mit den „Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren“ will das Bundeswirtschaftsministerium kleine und mittlere Unternehmen fit für die Digitalisierung machen. Das ist ein richtiger Ansatz. Allerdings müssen die Arbeitnehmer/innen noch pragmatischer in den Prozess der Digitalisierung eingebunden werden.

– Betreiber digitaler Vermittlungsplattformen haben de facto häufig eine Arbeitgeberrolle. Dennoch werden Erwerbstätige, die über solche Plattformen arbeiten, meist als Solo-Selbstständige geführt. Entsprechende Vermittlungsplattformen müssen ihren arbeits- und sozialrechtlichen Pflichten nachkommen – und notfalls gesetzlich verpflichtet werden.

– Die Mitbestimmung im Handwerk muss fit gemacht werden für die Arbeitswelt 4.0 – durch Weiterbildung und Qualifikation der ehrenamtlichen „Selbstverwalter/innen“ und Betriebsräte/innen. Nur so können sie die Digitalisierung aktiv im Sinne der Beschäftigten mitgestalten.

– Der Beschäftigtendatenschutz muss ausgeweitet werden. Die gesetzlichen Regelungen müssen dringend an die neuen Möglichkeiten der technischen Überwachung und Datenerfassung angepasst werden.

 

Das komplette Strategiepapier kann heruntergeladen werden unter www.vizepraesidenten.de/startseite/meldung/workshop-zur-handwerkspolitik

 


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