Deutscher Gewerkschaftsbund

08.08.2016
Branchendialog Handwerk

Ein Jahr Branchendialog: Jetzt aktiv bleiben!

Im Juli 2015 haben Vertreter des BMWi, ZDH und DGB eine gemeinsame Erklärung zum Branchendialog Handwerk unterzeichnet. Die Themen reichten von Investitionen, Finanzierung und Digitalisierung über Fachkräftesicherung, Sozialpartnerschaft und Tarifautonomie bis hin zu Ehrenamt und Selbstverwaltung.

Nach einem Jahr ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen: Was ist auf den unterschiedlichen Feldern geschehen? Wie hat sich das Handwerk entwickelt? Das BMWi hat im vergangenen Jahr Förderprogramme für Digitalisierung und Berufsbildungszentren auf den Weg gebracht. Auch im Rahmen gesetzgeberischer Maßnahmen soll das Handwerk unterstützt werden.

Im Bereich der Energiewende haben ZDH und BMWi eine Erklärung zur Handwerksinitiative Energieeffizienz aufgesetzt. Weiterbildung und Qualitätssicherung beim Thema energetische Gebäudesanierung sind aus Sicht des DGB höchstrelevant für die Beschäftigten. Der Branchendialog Handwerk sollte beim Thema Energiewende nicht Halt machen!

Unterzeichnung Erklärung Handwerkspolitik

Staatssekretär Matthias Machnig (Mitte), ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer
(links) und DGB-Bundesvorstandsmitglied Stefan Körzell (rechts) unterschrieben eine gemeinsame Erklärung zur Handwerkspolitik.
BMWi/LB1

Mehr Initiative erwarten sich DGB und Gewerkschaften rund um die Themen Stärkung von Sozialpartnerschaft und Tarifbindung. Gemeinsam mit Gewerkschaften und Handwerk hat das BMWi erfolgreich auf eine Stärkung der Tarifbindung hingearbeitet. Das Leipziger Bundesverwaltungsgerichtsurteil zur Unzulässigkeit von OT-Mitgliedschaften in Innungen setzt hierfür den neuen Rahmen. Nun sind die Handwerksorganisationen auf allen Ebenen gefordert, in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich für eine tatsächliche Stärkung der Sozialpartnerschaft und Tarifbindung aktiv einzutreten.

Leider ist Tarifflucht weiterhin ein Hauptproblem, Strukturen ohne Tarifbindung (OT-Strukturen) halten sich hartnäckig. Noch immer bestehen OT-Mitgliedschaften in Innungen und weitere Umgehungsstrategien in einzelnen Branchen – wie beispielsweise unverbindliche Innungsempfehlungen bei Ausbildungsvergütungen oder mitgliederschwache Tarifgemeinschaften. Nur mit einer flächendeckenden Tarifbindung und starken Selbstverwaltungsstrukturen können die Ziele des Branchendialogs verwirklicht werden. Um das Image des Handwerks als Arbeitgeber für Absolventen und Fachkräfte zu stärken, bedarf es einer flächendeckenden Tarifbindung. Denn nur so kann eine qualitative und zukunftsfähige Fachkräftesicherung im Handwerk erreicht werden.

Was ist jetzt zu tun? DGB, BMWi und ZDH sollten ihre Gespräche intensivieren, den Branchendialog Handwerk weiter mit Leben füllen und in die Fläche tragen. Alle Beschäftigten im Handwerk können aktiv werden, indem sie OT-Strukturen aufdecken und entgegenwirken. Durch die systematische Stärkung der Tarifbindung wird ein wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung geleistet – und das Handwerk insgesamt bedeutend aufgewertet. Mehr Informationen dazu finden sich in der neu aufgelegten Broschüre „Mit Tarifverträgen im Handwerk gewinnen“. DGB und BMWi planen ein Projekt zur Qualifizierung des Ehrenamts der Arbeitnehmer. Aus Sicht des DGB ist das geplante Projekt ein wichtiges Signal zur Stärkung der Selbstverwaltung und Sozialpartnerschaft.

Es trägt dazu bei, bestehende Ungleichgewichte bei der Prioritätensetzung zu verringern. Die Selbstverwaltung ist aufgrund der vielfältigen Themen, mit denen sie sich befasst, ein zentraler Motor und Innovationsträger, um gute Arbeit und Fachkräftesicherung im Handwerk zu erreichen.


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