Deutscher Gewerkschaftsbund

17.06.2014
Dokumentation

Berufsbildung der Zukunft gestalten

Berufsbildungskonferenz des ZDH und DGB

"Zukunft der Lernorte Betrieb – Berufsbildung der Zukunft" lautete der Titel einer gemeinsamen Berufsbildungskonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) am 12. und 13. Juni 2014 in Berlin. Mehrere Hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten Perspektiven der Ausbildungssysteme aus deutscher, aber auch aus europäischer Sicht.

DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann im Gespräch

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann im Gespräch bei der Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH DGB/Bolenius

Duale Berufsausbildung Rückgrat für Innovationskraft

"Die duale Berufsausbildung ist das Rückgrat für die Innovationskraft Deutschlands. Sie schafft eine enge Verbindung von Bildungssystem und Arbeitsmarkt. Und sie bietet den Jugendlichen eine breit angelegte Qualifikation und ermöglicht ihnen so, sich nachhaltig auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten", betonte zur Eröffnung der Konferenz Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, die Vorteile der Berufsbildung in Deutschland. "Sie ist eine wichtige Grundlage für unsere im europäischen Vergleich niedrige Jugendarbeitslosigkeit", so Hannack weiter.

DGB-Vize Elke Hannack

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack bei der Eröffnung der Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH DGB/Bolenius

Duales System aber auch unter Druck

"Und trotzdem", so Hannack weiter, "steht das duale System auch in Deutschland unter Druck." Der Ausbildungsmarkt weise leider erhebliche Verwerfungen auf. "Ich freue mich deshalb, dass es uns gelungen ist, uns heute hier sozialpartnerschaftlich zusammenzusetzen und offen und konstruktiv über die Herausforderungen der Berufsbildung zu sprechen", sagte Hannack.

Einen Schwerpunkt legte Hannack in ihrer Rede auf die Qualität der Berufsbildung: "Der stetige Wandel der Arbeitswelt verlangt auch den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Handwerk immer mehr ab. Eine fundierte, umfassende Berufsausbildung in modernen Ausbildungsberufen ist die beste Basis, um den Wandel der Arbeitswelt zu meistern. Es müssen die notwendigen Qualifikationen und Kompetenzen vermittelt werden, um sich langfristig auf dem Arbeitsmarkt behaupten zu können." Um das duale Ausbildungssystem für Jugendliche attraktiv zu gestalten, seien vor allem drei Aspekte wichtig: "eine hohe Qualität der Ausbildung, eine angemessene Vergütung sowie verlässliche Karriereperspektiven". Hier gelte es insbesondere für das Handwerk, die Ausbildung attraktiver zu gestalten.

Audio: Rede der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack, Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH

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Rede der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack (PDF, 23 kB)

Rede der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack auf der Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH


Wollseifer: Aufwertung der Berufsbildung muss Top-Priorität haben

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer betonte, die Aufwertung der Berufsbildung müsse Top-Priorität haben. Unterstützung bekomme das Handwerk dabei von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Auch sie wolle die Wertschätzung für die Handwerksberufe deutlich verbessern. "Dafür danken wir Ihnen", so Wollseifer gegenüber der Ministerin.

Wollseifer, Wanka

Im Gespräch: ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer, Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack und ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke (v.l.) DGB/Bolenius

"Die Berufsbildung steht mehr und mehr im Spannungsfeld unterschiedlicher Entwicklungen und Erwartungen", so Wollseifer weiter. Als Beispiele nannte er die Herausforderung, die Sicherung des Fachkräftebedarfs mit dem Bildungsauftrag der dualen Ausbildung zu verbinden. Berufliche Bildung müsse zudem eine große Spannbreite an Angeboten abdecken: Ausbildung benachteiligter Jugendlicher ebenso, wie Karriereoptionen für besonders Leistungsstarke - Ausbildung im Kleinstbetrieb ebenso, wie auch in Großbetrieben - eine Ausrichtung der Ausbildungsinhalte an den Bedürfnissen regionaler Kleinbetriebe auf der einen und internationaler Großkonzerne auf der anderen Seite.

"Das duale Berufsbildungssystem hat seine Wurzeln im Handwerk", betonte Wollseifer. "Wir sind uns daher der Verantwortung bewusst, wenn es darum geht, die berufliche Bildung auf die Zukunft vorzubereiten."

Audio: Rede des ZDH-Präsidenten Hans Peter Wollseifer, Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH

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Wanka

Bundesbildungsministerin Wanka spricht zu den TeilnehmerInnen der Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH DGB/Bolenius

Wanka: Berufliche Bildung Schwerpunkt der Legislatur

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka kündigte auf der Konferenz unter anderem an, dass das so genannte Übergangssystem in der deutschen Berufsbildung in Zeiten steigender Beschäftigung auf seine wesentlichen Aufgaben konzentriert werden sollte. Darüber hinaus sei für sie das Thema Berufliche Bildung ein Schwerpunkt der aktuellen Legislaturperiode, so Wanka. "Wir wollen unser Gesamtkonzept, das viele einzelne Maßnahmen enthält, 'Chance Beruf' nennen", kündigte Wanka für ihr Ministerium an - man wolle dabei gemeinsam mit den Sozialpartnern viel erreichen.

Audio: Rede der Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH

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Prof. Bosch

Prof. Dr. Gerhard Bosch vom IAQ auf der Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH DGB/Bolenius

Bosch: Facharbeit Schlüssel für Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit

Ein weiteren Input zur Konferenz gab Prof. Dr. Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ). Facharbeit und entsprechende Fachkräfte aus dualer Berufsbildung seien in Deutschland der Schlüssel für Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit, so Bosch.

Bosch betonte in seinem Vortrag "Zukunft der Facharbeit" auch die Rolle der Sozialpartner. Sie hätten ab den 1990er Jahren ihre "Qualitäts- und Modernisierungsverantwortung" bei der Ausgestaltung der Ausbildungsberufe wahrgenommen. Außerdem betonte Bosch die Bedeutung einer guten, tariflichen Vergütung der Ausbildung für die Entscheidung junger Menschen, ob sie eine Berufsausbildung aufnehmen.

Einige der wesentlichen Aspekte, die Bosch für die Zukunft von Facharbeit und Berufsbildung für besonders relevant hält, sind:

  • Facharbeit sei Schlüssel für Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit in Deutschlan
  • Berufliche Aus- und Weiterbildung transportiere Innovation in kleine und mittlere Betriebe (KMU)
  • Die Duale Berufsausbildung sei ein Markenartikel und müsse "gepflegt" werden
  • Und eine kontinuierliche Modernisierung sei Voraussetzung für Reputation und Akzeptanz der Beruflichen Bildung

Audio: Vortrag von Prof. Dr. Gerhard Bosch, Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH

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"Zukunft der Facharbeit" - Vortrag von Prof. Dr. Gerhard Bosch (PDF, 1 MB)

Präsentation zum Vortrag von Prof. Dr. Gerhard Bosch (IAQ) auf der gemeinsamen Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH am 12. Juni 2014 in Berlin


Reiner Hoffmann: Duales System lebt vom gemeinsamen Engagement

Das duale System lebe "von dem gemeinsamen Engagement von Gewerkschaften, Arbeitgebern und den Regierungen in Bund und Ländern", betonte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann die Besonderheit des deutschen Berufsbildungssystems in seiner Rede zu Beginn des zweiten Konferenztages. "Nur durch eine gelebte Sozialpartnerschaft in der Berufsbildung können wir einen fairen Ausgleich zwischen den Wünschen der einzelnen Betriebe, den Bedarfen ganzer Branchen und den Interessen der einzelnen Jugendlichen schaffen."

Dass gelebte Sozialpartnerschaft in der beruflichen Bildung möglich sei, zeigten ZDH und DGB, so Hoffmann: "Wir haben es bewiesen mit unserem gemeinsamen Plädoyer für eine ganzheitliche Berufsausbildung – und unserer Kritik an den Teilqualifikationen in einem gemeinsamen Konzept in diesem Februar. Und wir beweisen es mit dieser gemeinsamen Konferenz. Wir diskutieren – trotz auch unterschiedlicher Meinungen – kritisch und konstruktiv über die zentralen Herausforderungen der beruflichen Bildung."

 
Hoffmann: Innungen müssen Rolle als Tarifpartner wahrnehmen

"Ob sich junge Frauen und Männer für eine duale berufliche oder eine hochschulische Ausbildung entscheiden, ist eine persönliche Frage. Diese Entscheidung hängt von den eigenen Interessen und den Perspektiven ab, die die Ausbildung oder das Studium bietet. Nur wer jungen Menschen eine gute Ausbildung, einen anständigen Lohn und gute Karriereperspektiven bietet, wird diese auch für eine berufliche Ausbildung gewinnen können", erklärte Hoffmann.

"Ich fordere deshalb die Innungen und Verbände auf, ihre Rolle als Tarifpartner auch mit Blick auf gerechte tarifliche Rahmenbedingungen für Auszubildende und Beschäftigte verantwortungsbewusst anzunehmen und faire Tarifverträge mit den DGB-Gewerkschaften auszuhandeln. Es kann das gesamte Handwerk in Verruf bringen, wenn unfaires Lohndumping betrieben wird – zum Beispiel über so genannte OT-Verbände, die eine Mitgliedschaft ohne Tarifbindung ermöglichen. So wird das Handwerk für den Nachwuchs nicht attraktiv. Denn: Nur wenn Innungen und Verbände Tarifverträge mit fairen Löhnen und guten Arbeitsbedingungen abschließen und die Betriebe diese auch anwenden, werden sie den Wettbewerb um die Fachkräfte der Zukunft gewinnen."

Audio: Rede des DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann, Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH

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Diskussion: Mobilität in Europa - Chancen und Risiken

Im Anschluss an seine Rede diskutierte der DGB-Vorsitzende gemeinsam mit ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke, der Europaabgeordneten Jutta Steinruck und Dr. Klaus Fahle von der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission "Mobilität in Europa" - mit besonderem Blick auf die berufliche Bildung, Mobilität von Auszubildenden und Jugendarbeitslosigkeit in Europa.

Podiumsdiskussion

TeilnehmerInnen der Diskussionsrunde "Mobilität in Europa - Chancen und Risiken": Holger Schwannecke, Generalsekretär ZDH (1.v.r.), Reiner Hoffmann, DGB-Vorsitzender (2.v.r.), Jutta Steinruck, MdEP (2.v.l.),
Dr. Klaus Fahle (in Vertretung von Jan Truszczyński, Generaldirektor der GD Bildung und Kultur Europäische Kommission, 1.v.l.)
DGB/Bolenius

Reiner Hoffmann machte dabei klar, dass der DGB zwar die europäische Ausbildungsgarantie grundsätzlich unterstütze. Allerdings sei die Garantie bisher nicht mehr als ein reines Lippenbekenntnis. Europa habe in dieser Frage bisher versagt.

Audio: Diskussions-Statement DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann - "Jugendliche im Süden Europas werden im Regen stehen gelassen"

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Europa habe bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu lange gezögert, bestätigte Jutta Steinruck (SPD), Mitglied des Europäischen Parlaments. Entsprechende Vereinbarungen nach Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs seien bisher "recht unverbindlich" gewesen. "Mir reichen die Mittel zu Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit nicht aus", so Steinruck.

Audio: Diskussions-Statement MdEP Jutta Steinruck - "Mir reichen die Mittel zu Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit nicht aus"

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ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke betonte, dass Mobilität und Auslandserfahrungen von jungen Menschen und Auszubildenden durchaus ein Thema sei, dass bei den Betrieben heute eine Rolle spiele. "Beim Thema Mobilität bewegt sich etwas. Die Zielsetzungen sind ambitioniert.", so Schwannecke. "Die Betriebe fragen das vermehrt nach, weil sie internationaler werden."

Audio: Diskussions-Statement ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke - "Die Betriebe fragen Mobilität vermehrt nach"

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Auch bei den Jugendlichen sei dieser Trend zu beobachten, sagte Dr. Klaus Fahle von der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission deutlich. Immer mehr junge Menschen würden im Zuge der beruflichen Bildung in andere europäische Länder gehen. Teilweise würden entsprechende Programme öffentlich gefördert, teilweise aber auch von der Wirtschaft selbst angeboten.

Audio: Diskussions-Statement Dr. Klaus Fahle - "Mobilität wird zu wichtiger Komponente der Ausbildung"

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Reden als Audio


Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH: Rede der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack
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Berufsbildungskonferenz von DGB und ZDH: Rede der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack

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