Deutscher Gewerkschaftsbund

16.12.2015

Integration: Die Chancen nutzen

Der DGB-Bundesvorstand hat in einem Beschluss seine Leitlinien für die Integration der Flüchtlinge in Gesellschaft und Arbeitsmarkt vorgelegt. Auch in den Handwerkskammern läuft die Diskussion. In einem Positionspapier haben die Arbeitnehmer-VizepräsidentInnen Eckpunkte festgelegt, wie das Handwerk den Flüchtlingen eine Perspektive bieten kann.

Der DGB-Bundesvorstand hat Ende Oktober einen grundsätzlichen Beschluss zur Flüchtlingspolitik gefasst. Zu den zentralen Forderungen gehört unter anderem: mehr Geld für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt und damit eine Abkehr von der schwarzen Null. „Für die Integration in den Arbeitsmarkt ist dringend mehr Geld notwendig. Die von der Bundesregierung zusätzlich bereitgestellten 250 Millionen im Hartz-IV-System reichen bei Weitem nicht für die Integration von Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen. Die Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit, von prekären Beschäftigungsverhältnissen und Altersarmut müssen verstärkt werden. Die dafür notwendigen finanziellen Mittel erfordern eine Abkehr von dem dogmatischen Festhalten an der schwarzen Null. Zudem müssen Qualifikationen schnell festgestellt, der Zugang zu Spracherwerb und hochwertiger Qualifizierung besser gesichert werden.

Jugendlicher mit Bauhelm, Auszubildender

Colourbox

Wohnungsbau massiv fördern

Der DGB ist zudem überzeugt, dass Programme des sozialen und öffentlich finanzierten Wohnungsbaus massiv ausgebaut werden müssen, damit ausreichend bezahlbarer Wohnraum für alle geschaffen werden kann. Erforderlich ist auch ein Ausbau der öffentlichen Infrastruktur. Auch die IG BAU fordert stärkere Anstrengungen der Politik, um die Wohnungsnot zu beheben. Der stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Dietmar Schäfers sagte anlässlich der DGB-Konferenz „Umdenken, Gegenlenken – Handlungsfähiger Staat im Bereich der Wohnungspolitik“ in Berlin: „Wir fordern, dass der Bund seine jährliche Kompensationszahlung für den sozialen Wohnungsneubau von derzeit 518 Millionen Euro an die Länder verdreifacht. Das ist das Minimum. Die Länder müssen ihrerseits die Mittel in gleicher Höhe ergänzen und das Geld darf von ihnen nicht zweckentfremdet werden." DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell forderte in seiner Rede: „Nur durch einen Mix aus verstärkten Investitionen in den Mietwohnungsbau, bessere Abschreibungsmöglichkeiten und vor allem eine Wiederbelebung des öffentlich geförderten sozialen Wohnungsbaus wird es gelingen, den aktuellen Herausforderungen gerecht zu werden.“

Zentrale Eckpunkte vorgelegt

Auch in den Handwerkskammern läuft die Diskussion um die Integration der Flüchtlinge. In einem Papier haben die Arbeitnehmer-Vizepräsidenten ihre Positionen und Forderungen vorgelegt und zentrale Eckpunkte zur Diskussion in die Vollversammlungen der Handwerkskammern gegeben. Demnach stellt die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt die Handwerkskammern vor neue Aufgaben. Durch die große Anzahl müssen bestehende Strukturen ausgebaut und besser aufgestellt werden. So stelle sich die Frage, welche Maßnahmen die Kammern unternehmen, um Betriebe bei der Einstellung bzw. Ausbildung von Geflüchteten zu unterstützen. Hier könnten zum Beispiel mehr Ausbildungsberater eingestellt werden. Zudem könnte für Auszubildende die Sprachförderung auf- und ausgebaut werden.

Informationen für Flüchtlinge

Flüchtlingen sollen verständliche Informationen zur Arbeitssuche bereitgestellt werden. Durch zielgruppengerechte Flyer in unterschiedlichen Sprachen könnte hier praktische Hilfe vor Ort geleistet werden. Zudem sollten die ÜLU-Bildungsstätten auf die neue Situation mit den Flüchtlingen vorbereitet werden. Nicht zuletzt sollten die Handwerkskammern auf die Angemessenheit von Ausbildungsvergütungen und Urlaubstagen kontrollieren. Hier müsse auf qualitative Beschäftigung mit Guter Arbeit und angemessener Bezahlung geachtet werden.

Verdrängungswettbewerb verhindern

Die VizepräsidentInnen wollen eine breite Diskussion in den Vollversammlungen anregen. Vier zentrale Forderungen stehen aus ihrer Sicht im Fokus. Unter anderem geht es um bessere Ausbildungsmöglichkeiten. Flüchtlinge sollen eine Aufenthaltsberechtigung während ihrer Ausbildung mit zwei darauffolgenden Jahren erhalten. Flüchtlinge, die bereits eine Ausbildung absolviert haben, müssen für den deutschen Arbeitsmarkt fit gemacht werden (z. B. Anerkennung von Qualifikationen, Sprachkurse und berufs- und zielorientierte Kurzpraktika). Ein Verdrängungswettbewerb im Bereich der geringqualifizierten Beschäftigung im Handwerk müsse verhindert werden. Das Ziel müsse weiterhin qualitative Beschäftigung sein. Zudem dürfen Standards und Kontrollen nicht aufgeweicht werden. Dies gelte sowohl für den Mindestlohn und andere soziale Standards wie auch für die Aktivitäten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit.


Weitere Infos:

  • Den Beschluss des DGB gibt es hier...
  • Das Diskussionspapier der Arbeitnehmer-Vizepräsidenten gibt es unter:

Nach oben

DGB-Handwerk auf Twitter

Über uns

Deutsch­land­kar­te
Thomas Siepmann/pixelio.de
Hier finden Sie alle gewerkschaftlichen Ansprechpartner in den Regionen, sowie die ArbeitnehmervertreterInnen und Vize-PräsidentInnen in den Handwerkskammern - übersichtlich auf unserer Deutschlandkarte.
zur Webseite …

DGB-Infoservice

einblick
zur Webseite …

Themenverwandte Beiträge

Artikel
+++ Hand­werks­in­fo 4/2017 ist on­li­ne! +++
Das Handwerksinfo 4/2017 unter anderem mit einer Auswertung des Ausbildungsreport 2017, einem Bericht zum Projekt "Perspektive Selbstverwaltung" sowie die Forderungen des DGB und seinen Handwerksgewerkschaften zu einer möglichen Evaluierung der Handwerksordnung finden Sie hier: weiterlesen …
Artikel
Wir brauchen mehr Qualität in der Ausbildung
Mehr als 12.000 Auszubildende wurden im Rahmen des 12. Ausbildungsreports der DGB-Jugend dieses Jahr befragt. Fast ein Viertel davon macht eine handwerkliche Ausbildung (23 %). Leider hat sich die Qualität der dualen Ausbildung in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Insgesamt sehen wir großen Entwicklungsbedarf für eine gute Ausbildung im Handwerk. weiterlesen …
Artikel
Tradition der Qualitätssicherung im Handwerk droht zu kippen
Im Handwerk gibt es mit der bestehenden Regelung der dualen Ausbildung für einen breiten Teil der Bevölkerung einen Qualifikationsrahmen mit Aufstiegsmöglichkeiten. Nun wurde im Parlament der EU ein Vorschlag abgestimmt, der dieses bewährte System gefährdet. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten