Deutscher Gewerkschaftsbund

20.07.2015
Frauen in MINT-Berufen

Frauen im Handwerk: Mehr Engagement gegen alte Rollenmuster

In vielen Handwerksbranchen werden händeringend Fachkräfte gesucht. Trotzdem sind in den meisten technischen Handwerksbereichen Frauen immer noch unterrepräsentiert. Das DGB-Handwerksinfo zeigt, was sich ändern muss, damit das Handwerk mehr weibliche Fachkräfte gewinnen kann.

Beitrag aus: handwerksinfo Nr. 2/2015, Juli 2015

Frauen sind nach wie vor in vielen technischen Berufsfeldern deutlich in der Minderheit. Im Kern geht es hier um Berufe, die Fähigkeiten in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz MINT, erfordern. Viele technische Handwerksberufe zählen genau dazu.

Um den Frauenanteil zu erhöhen, wurde vor sieben Jahren der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT“ gegründet. Ende April diesen Jahres ist nun auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks dem Nationalen MINT-Pakt für Frauen beigetreten. In dem Pakt sind unter anderem Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Unternehmen und Stiftungen, Forschungsorganisationen und Hochschulen sowie Vereine, Medien und mehrere Bundesländer vertreten.

Frauen für MINT-Berufe gewinnen

Der ZDH will als neuer Pakt-Partner in Zukunft stärker die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die das Handwerk im Bereich MINT bietet, bewerben und durch Berufsorientierungs- und Unterstützungsangebote mehr Mädchen und Frauen für stark technisch orientierte Handwerksberufe werben. Mit dem Beitritt des ZDH zum MINT-Pakt wird erstmals der Fokus auf das Handwerk gelegt und somit auch erstmals stärker auf den beruflichen MINT-Bereich. Eine wichtige Weichenstellung, um über den akademischen Bereich hinaus Veränderungen anzustoßen.

Frauen im Handwerk

Mehr Frauen in technischen Berufen, davon würde das Handwerk profitieren Colourbox

Obwohl über 80 Prozent der MINT-Beschäftigten als Fachkräfte im nichtakademischen Bereich arbeiten, zielen die zahlreichen Initiativen des MINT-Paktes bislang eher auf akademische Berufe. In der Folge entscheiden sich immer mehr Frauen für ein akademisches MINT-Studium, jedoch nur wenige für eine technische Ausbildung – die Initiativen zeigen Wirkung. Für den DGB steht fest, dass die Programme nun noch stärker auf den nichtakademischen Bereich ausgeweitet werden müssen.

Frauenanteil in den akademischen MINT-Fächern wächst

Der Frauenanteil in den akademischen MINT-Fächern wächst kontinuierlich, zum Beispiel in den technischen Ingenieur-Studiengängen. Inzwischen ist jede/r vierte Studienanfänger/in in den Ingenieurwissenschaften eine Frau. Selbst im Studienbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik ist rund jede/r fünfte Studienanfänger/in weiblich. Insgesamt liegt der Frauenanteil bei den akademischen MINT-Beschäftigten bei 18 Prozent – bei weiter steigender Tendenz.

Im nichtakademischen MINT-Bereich liegt der Frauenanteil bei den Beschäftigten nur bei 14 Prozent. Zudem besteht die Gefahr, dass der schon jetzt niedrige Frauenanteil in Zukunft noch weiter sinkt, denn in den vergangenen Jahren ist es hier kaum gelungen, spürbar mehr Frauen für Ausbildungen im Technikbereich zu gewinnen.

Besonders in einzelnen stark technischen Handwerksberufen sind Frauen aber so gut wie gar nicht vertreten. Ähnlich schlecht sieht die Situation auch im Bauhauptgewerbe aus. Während der Frauenanteil im ersten Fachsemester in den Bauingenieurwissenschaften mittlerweile bei etwa 30 Prozent liegt, ist es im gewerblichen Bereich auf Baustellen weiterhin schwierig, Frauen zu werben.

Kooperationen ausbauen

Was muss also getan werden, damit auch in stark männlich dominierten Handwerksberufen gelingt, was im akademischen Bereich längst möglich ist? Wie können mehr Frauen für stark technisch orientierte Handwerksberufe gewonnen werden? Der DGB fordert das Engagement zu verstärken. Es brauche eine Vielzahl an weiteren Aktivitäten. Es seien wichtige erste Schritte, dass der ZDH MINT-Handwerksberufe bei jungen Frauen stärker bewerben und sich stärker für Berufsorientierungs- und Unterstützungsangebote einsetzen will. „Es ist sinnvoll, wenn in diesem Zusammenhang dauerhafte regionale Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben geschlossen oder weiter ausgebaut werden“, betont DGB-Arbeitsmarktexpertin Sabrina Klaus-Schelletter.

Ein gutes Beispiel, um Frauen für eher männlich-dominierte Berufe zu gewinnen, ist der jährlich stattfindende Girls‘ Day. Im Rahmen dieses Aktionstages sind schon Kooperationen entstanden, an die vielerorts angeknüpft werden kann. Die Erkenntnisse zahlreicher Initiativen aus dem MINT-Pakt können auf den Ausbildungsbereich übertragen werden.

Beratung anbieten

Dort, wo Erfahrungen fehlen, wie auf ausbildungsinteressierte junge Frauen zugegangen werden kann und wie für sie in den Betrieben bzw. in den entsprechenden Abteilungen passende Bedingungen geschaffen werden können, wäre es sinnvoll, für die Verantwortlichen Beratungs- bzw. Unterstützungsangebote zu schaffen.

 

MINT

Berufe in den MINT-Fächern werden vor allem von Männern ausgeübt einblick

Allerdings müsse es bei der Frage, wie junge Frauen angesprochen werden können, auch um die Qualität der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen gehen, betont Klaus-Schelletter. Die rückläufige Tarifbindung der Handwerksbetriebe erleichtere es nicht, attraktivere Standards zu entwickeln, die junge Frauen auch anziehen, warnt der Gewerkschafter.

Familie und Berufe besser vereinbaren können

Nur mit guten Arbeitsbedingungen, fairen Löhnen und verlässlichen Perspektiven könne man Frauen für das Handwerk gewinnen. Dies gelte ebenso für die Herausforderung, Frauen in einem männlich dominierten Berufsfeld in ihrer beruflichen Entwicklung besser zu fördern – insbesondere auch dann, wenn sie Kinder haben. Deshalb sollten Arbeitgeber konstruktive Lösungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen und diese in den Betrieben umsetzen. Außerdem müssen geschlechtsspezifische Benachteiligungen wie beispielsweise beim Gehalt abgebaut werden, fordert der DGB. „Letztendlich ist eine gute Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Entwicklungsmöglichkeiten das Fundament der Förderung von Frauen in männerdominierten Berufen“, so Klaus-Schelletter.

Es brauche neue Rollenmodelle und positive Beispiele, dass Frauen im Handwerk Chancen und Perspektiven haben. Bis dahin sei noch viel zu tun. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften engagieren sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern im Handwerk. Zentraler Bestandteil ist dort die Selbstverwaltung. Auch hier wollen DGB und Gewerkschaften Frauen stärker fördern. Bisher sind Frauen viel zu selten in den Gremien der Handwerkskammern vertreten. Dabei können gerade sie durch ihre praktischen Erfahrungen die Interessen der Beschäftigten in die Arbeit der Kammer einbringen. Hierzu hat sich der DGB auf seinem 20. Ordentlichen DGB-Bundeskongress im Mai 2014 geäußert.

Mehr Frauen in der Selbstverwaltung

Der DGB fordert, dass in den Satzungen der Handwerkskammern die Beteiligung von Frauen in den Gremien der Selbstverwaltung gestärkt wird und gemäß ihrer Bedeutung in den Handwerksbranchen verankert wird. Es gibt im Handwerk weiblich und männlich geprägte Berufsbilder und Gewerke, in denen Frauen und Männer gleichermaßen vertreten sind. Selbst in Handwerksbetrieben mit überwiegend männlichen Beschäftigten gibt es oft auch eine Reihe weibliche Beschäftigte, die meist in der Verwaltung des Unternehmens arbeiten. Auch sie können und sollten Mitglieder der Vollversammlung werden und ihre Berufserfahrung mit einbringen. So können sie in den doch oft männlich dominierten Handwerkskammern, die besonderen Interessen von Frauen im Handwerk repräsentieren und dadurch weitere Frauen motivieren, sich im und für das Handwerk zu engagieren.

Das Handwerk ist bunt: Menschen jeden Alters, jeder sexuellen Identität, jeder Religion und jeder Herkunft arbeiten in den Handwerksberufen – wenn sich das in der Arbeitnehmerbank der Vollversammlung widerspiegelt, ist eine Interessenvertretung garantiert, die alle Beschäftigteninteressen berücksichtigt.


Was sind MINT-Berufe?

Unter MINT-Berufe werden Tätigkeiten zusammengefasst, für deren Ausübung ein hoher Anteil an Kenntnissen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und/oder Technik erforderlich ist. Somit zählen auch viele Handwerksberufe zu den MINT-Berufen. MINT-Berufe finden sich auf allen Qualifikationsniveaus wieder, wobei die meisten MINT-Fachkräfte eine abgeschlossene Berufsausbildung im technischen Bereich haben.

 

 


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