Deutscher Gewerkschaftsbund

22.03.2018

Koalitionsvereinbarung: Was ist für das Handwerk drin?

Im Koalitionsvertrag der frisch gebackenen Großen Koalition wird das Handwerk als „tragende Säule des Mittelstands“ erwähnt. Doch welche Vor- und Nachteile ergeben sich tatsächlich für uns? Wir haben das Schriftstück unter die Lupe genommen, finden überraschend gute Ansätze – aber auch ein paar grobe Patzer.

Vorteile:

  • Insbesondere mit Blick auf die aktuelle Entwicklung bei der Dienstleistungskarte, wird das Herkunftslandprinzip auf europäischer Ebene abgelehnt. So bleiben unsere hohen Qualitäts- und Sozialstandards geschützt. 
  • Das Bekenntnis zum Erhalt des Meisterbriefs bewerten wir positiv ebenso die geplante Prüfung, wie der Meisterbrief für einzelne Berufsbilder EU-konform eingeführt werden kann. 
  • Das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (Meister-BAföG) soll verbessert werden. Eine Gebührenfreiheit, beispielsweise für angehende Meisterinnen und Meister, wird in Aussicht gestellt. 
  • Eine Mindestausbildungsvergütung soll im Berufsbildungsgesetz (BBiG) verankert werden. Höhe und Anpassungsmechanismus wurden nicht festgeschrieben. Durch Tarifflucht und die Weigerung neue Tarifverträge abzuschließen, kommt es leider teilweise zu skandalös niedrigen Ausbildungsvergütungen. Der DGB empfiehlt: Vorrang hat die branchenübliche tarifliche Ausbildungsvergütung, ansonsten sollen 80 Prozent der durchschnittlichen Ausbildungsvergütung des jeweiligen Ausbildungsjahres angesetzt werden. 
  • Die Allianz für Aus- und Weiterbildung soll fortgesetzt werden. Es soll weiter daran gearbeitet werden, allen jungen Menschen eine hochwertige Ausbildung zu garantieren.

Nachteile:

  • Innungen müssen ihrer gesetzlich vorgesehenen Aufgabe als Tarifpartner und Körperschaft des öffentlichen Rechts wieder vermehrt nachkommen. Leider war dafür kein Platz im Koalitionsvertrag. Wir befürchten eine Ausweitung der Tariffl ucht, sinkende Attraktivität des Handwerks als Arbeitgeber und folglich eine Abwanderung von Fachkräften. 
  • Die dringend notwendige Erneuerung in den Handwerksstrukturen wird nicht vorangetrieben. Auch sämtliche Aspekte zur Stärkung der Selbstverwaltung im Handwerk fehlen im Koalitionsvertrag. 
  • Die öffentliche Vergabe soll mittelstandsfreundlich aus gestaltet werden. Mit Blick auf die Tarifbindung sehen wir das kritisch, da nicht mehr auf die Einhaltung von Ver gaberichtlinien hingewiesen wird die beispielsweise nur tarifgebundene Unternehmen zulassen. Die Tarifbindung im Handwerk hat in den vergangenen Jahren ohnehin enorm abgenommen. 
  • Die Fortführung des Kompetenzzentrums „Digitales Handwerk“ bewerten wir positiv – allerdings ist es bislang nicht sozialpartnerschaftlich aufgestellt. 
  • Grundsätzlich begrüßen wir Mobilitätshilfen für Auszu bildende. Allerdings lässt der Koalitionsvertrag offen, welche Hilfen konkret gemeint sind.

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