Deutscher Gewerkschaftsbund

12.12.2017
Ausbildungsreport 2017

Wir brauchen mehr Qualität in der Ausbildung

Mehr als 12.000 Auszubildende wurden im Rahmen des 12. Ausbildungsreports der DGB-Jugend dieses Jahr befragt. Fast ein Viertel davon macht eine handwerkliche Ausbildung (23 %). Leider hat sich die Qualität der dualen Ausbildung in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Insgesamt sehen wir großen Entwicklungsbedarf für eine gute Ausbildung im Handwerk.

Bei der Zufriedenheit mit ihrer Ausbildung müssen die Azubis im Handwerk Abstriche machen: nur 69,7% der Befragten sind mit ihrer Ausbildung „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“, bei allen anderen Berufen liegt der Gesamtanteil der Zufriedenen bei 71,8%. Damit setzt sich der Trend aus den letzten Jahren fort.

Was direkt auffällt: Mit den Ausbildungsberufen Bäcker/in und Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk stehen erneut zwei handwerkliche Berufe am unteren Ende der Zufriedenheitsskala, aber auch die angehenden Friseur/innen sind unzufrieden. „Das Qualitätsproblem in Teilen des Handwerks bleibt weiter Thema“, stellt die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte angesichts der Datenlage fest.

Nimmt man alle Handwerksberufe in den Blick, zeigen sich weitere Baustellen: Zum einen muss jede/r fünfte befragte Auszubildende im Handwerk (20,7%) einschließlich der Berufsschulzeiten pro Woche mehr als 40 Stunden arbeiten, wohingegen dies bei den sonstigen Berufen nur auf 13,9% der Befragten zutrifft. Zum anderen gab nur die Hälfte der befragten Auszubildenden im Handwerk (51,7%) an, dass ihnen ein betrieblicher Ausbildungsplan vorliegt, während dieses Problem bei den Befragten in sonstigen Berufen nur rund jede/n Dritte/n (30,4%) betrifft.

Dass der Weg zu gleichwertigen Ausbildungsbedingungen noch weit ist, zeigen auch die Ausbildungsvergütungen: Jede/r dritte Befragte im Handwerk (28,3%) erhält weniger als 500 Euro im Monat, bei den sonstigen Berufen betrifft dies nur 3,9% der Befragten. Noch drastischer stellt sich die Situation mit Blick auf vergleichsweise hohe Vergütungen dar: den 14,9% der handwerklichen Auszubildenden mit einer monatlichen Vergütung über 750 Euro stehen 50,5% der Befragten sonstiger Berufe mit einer Vergütung in dieser Höhe gegenüber.

Schwerpunkt: Qualität der Berufsschule

Die Berufsschule spielt im Rahmen der dualen Ausbildung als zweiter Lernort neben dem Betrieb eine wichtige Rolle. Hier soll das im Betrieb erlangte praktische Wissen vertieft, eine berufliche Grund- und Fachbildung vermittelt und zudem ein Schwerpunkt auf theoretische Inhalte gelegt werden. Nach der ersten Erhebung mit besonderem Blick auf die Qualität der Berufsschule (2012) wurde auch in diesem Jahr das Thema „Qualität der Berufsschule“ abgefragt. Ziel war es, herauszufinden, ob sich seitdem etwas getan hat.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: kaum Verbesserungen in den letzten 5 Jahren. Nach wie vor sind nur etwa zwei Drittel aller Befragten (68,1%) der Auffassung, dass ihre Schule „immer“ oder „häufig“ über aktuelle Unterrichtsmaterialien und Gerätschaften verfügt, die das Lernen im Unterricht erfolgreich unterstützen. Dies gilt auch für die Auszubildenden in Handwerksberufen. Zudem überrascht es nicht, dass sich nach wie vor nur die Hälfte aller befragten Auszubildenden (50,4%) durch den Besuch der Berufsschule gut auf die theoretische Prüfung vorbereitet fühlt – sehen doch 18,6% die Abstimmung zwischen Schule und Betrieb als nur „ausreichend“ oder gar „mangelhaft“ an.

Im Hinblick auf die Qualität der Berufsschulen fordert Conte: „Der Investitionsstau an den Berufsschulen muss dringend abgebaut und die Ausstattung massiv verbessert werden. Diese Maßnahmen in Verbindung mit mehr qualifiziertem Lehrpersonal sind notwendig, um die Qualität der dualen Ausbildung auch in Zukunft zu sichern.“

„Zusammenfassend zeigen unsere Ergebnisse, dass sich die Qualität der dualen Ausbildung insbesondere im Handwerk in den vergangenen Jahren kaum verbessert hat. Vor den anstehenden Herausforderungen, etwa im Hinblick auf die Stichworte Digitalisierung und interkulturelle sowie soziale Kompetenzentwicklung, gibt es viel zu tun und erheblichen gesetzgeberischen Handlungsbedarf“, stellt die DGB-Bundesjugendsekretärin fest. Insbesondere vor dem Hintergrund des viel diskutierten „Fachkräftemangels“ seien vor allem die Betriebe in der Pflicht, endlich mehr für eine gute Ausbildung zu tun.

 

Der Ausbildungsreport kann auf http://jugend.dgb.de/ heruntergeladen und bestellt werden.


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