Deutscher Gewerkschaftsbund

22.03.2018
"Das Handwerk von morgen gestalten WIR!"

22. Bundeshandwerkskonferenz der IG Metall

Handwerksbetriebe müssen umdenken, um für die kommende Generation der jungen Arbeitnehmer/innen attraktiv zu werden. Gute Arbeitsbedingungen und betriebliche Mitbestimmung sind der Weg zum Handwerk der Zukunft. Die 22. Bundeshandwerkskonferenz der IG Metall fand am 16./17. März 2018 in Frankfurt am Main statt.

Handwerkskonfernz

Ralf Kutzner, Hans Peter Wollseifer, Thorsten Schäfer-Gümbel und Timm Steinborn im Gespräch (v.r.n.l.) DGB

Damit sich die nächste Generation junger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Handwerk gut aufgehoben fühlt, müssen viele Betriebe umdenken. „Junge Menschen im Handwerk sind engagiert, qualifi ziert und innovativ, sie wollen gute Arbeitsbedingungen und mitbestimmt arbeiten“, sagte Ralf Kutzner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, auf der Bundeshandwerkskonferenz der Gewerkschaft Frankfurt. Die Konferenz stand unter dem Motto: „Das Handwerk von morgen gestalten wir“.

Fachkräfte stellen höhere Ansprüche

Viele Handwerksbetriebe können Fachkräfte nicht halten. Rund ein Drittel der Gesellen und Gesellinnen in den Metall- und Elektrohandwerken wandert in die Industrie ab, rund 30 Prozent gehen in andere Branchen. „Mit guten Arbeitsbedingungen, Tariflöhnen und mehr Mitbestimmung werden Handwerksbetriebe für junge Menschen interessant“, sagte Kutzner. Die anstehenden Betriebsratswahlen seien eine gute Gelegenheit, sich als attraktiver Arbeitgeber mit Betriebsrat zu präsentieren und mit Tarifbindung und guten Arbeitsbedingungen bei jungen Fachkräften zu punkten.

Die schwach ausgeprägte Tarifbindung – nur 30 Prozent der Beschäftigten fallen darunter – ist einer der Gründe für das geringere Entgeltniveau im Handwerk. Ein Vollzeitbeschäftigter verdient im Schnitt 3.217 Euro und damit 1.000 Euro weniger als im Durchschnitt der anderen Branchen. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung der Ökonominnen Katarzyna Haverkamp und Kaja Fredriksen von der Universität Göttingen. Neben der geringen Tarifbindung sind nach Ansicht der beiden Wissenschaftlerinnen auch das niedrigere Qualifi kationsniveau und die kleinbetrieblichen Strukturen im Handwerk für diese Entgeltlücke mit verantwortlich.

Politik muss Qualitätsstandards verteidigen

Mit starken Innungen und Innungsverbänden, die auch wieder Tarifverträge schließen, lasse sich das Lohnniveau anheben, sagt Kutzner. In den vergangenen Jahren haben sich viele Innungen und Verbände für Tarifverträge für nicht mehr zuständig erklärt. Die IG Metall fordert von der neuen Bundesregierung, die Handwerksordnung zu ändern, um die Sozialpartnerschaft zwischen Gewerkschaften und Innungen wieder zu stärken. „Der Ball liegt jetzt im Feld der Politik. Es ist ihre Aufgabe, Gestaltungswillen zu zeigen“, sagte Kutzner.

Die Politik ist nach Ansicht der IG Metall auch bei der EU-Dienstleistungskarte gefordert. „Die EU-Dienstleistungskarte birgt die Gefahr, dass Meisterbrief und Qualitätsstandards auf der Strecke bleiben“, kritisiert Kutzner. „Tarifl öhne und Sozialstandards würden unterlaufen, Scheinselbständigkeit würde sprunghaft zunehmen“. Mit dieser Karte sollen nach dem Willen der EU-Kommission Handwerksleistungen leichter grenzüberschreitend erbracht werden können. Sie beruht auf dem Herkunftslandprinzip. Das heißt: Dienstleister unterliegen dann den Regelungen ihres Herkunftslandes, auch wenn sie in einem anderen EU-Mitgliedsstaat arbeiten. Die IG Metall fordert von der Bundesregierung, sich dafür einzusetzen, dass das Herkunftslandprinzip nicht angewendet wird.

Auf der Bundeshandwerkskonferenz der IG Metall diskutierten Thorsten Schäfer-Gümbel, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und Ralf Kutzner mit rund 140 Betriebsräten, Mitgliedern der handwerklichen Selbstverwaltung und Vertrauensleuten über die Perspektiven der Branche. Zudem ging es um die Frage, wie junge Menschen für das Handwerk und die IG Metall gewonnen werden können.


Nach oben

DGB-Handwerk auf Twitter

Über uns

Deutsch­land­kar­te
Thomas Siepmann/pixelio.de
Hier finden Sie alle gewerkschaftlichen Ansprechpartner in den Regionen, sowie die ArbeitnehmervertreterInnen und Vize-PräsidentInnen in den Handwerkskammern - übersichtlich auf unserer Deutschlandkarte.
zur Webseite …

DGB-Infoservice

einblick
zur Webseite …

Themenverwandte Beiträge

Artikel
DHKT-Arbeitstagung der Arbeitnehmervizepräsident/innen
Die diesjährige Herbsttagung fand vom 13. bis 14. Oktober in Hannover statt. Die Arbeitnehmervizepräsident/innen der 53. Handwerkskammern formulierten eine gemeinsame Position: An die zukünftigen Regierungsparteien geht die klare Forderung, durch ordnungspolitische Maßnahmen die Tarifbindung im Handwerk zu stärken. weiterlesen …
Artikel
Prüferseminare im Handwerk 2018
Ehrenamtlich im beruflichen Prüfungswesen tätig zu sein, ist ein spannendes Handlungsfeld und ein tatkräftiger Beitrag zur Sicherung der Ausbildungsqualität. In diesem Jahr gibt es noch Qualifizierungs- und Austauschseminare. weiterlesen …
Artikel
Bäckerhandwerk und Backwarenindustrie: Seminar für Kurzentschlossene
Das Bildungszentrum Oberjosbach (BZO) und die Gewerkschaft NGG laden gemeinsam zum zwölften Forum Backwaren ein. Unter anderem werden die Zukunft der Brot- und Backwarenindustrie sowie des Bäckerhandwerks und die Veränderungen der Arbeitswelt insbesondere durch die Digitalisierung beleuchtet. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten