Deutscher Gewerkschaftsbund

Dossier zur Energiewende

10.12.2013

Handwerk: Den Strukturwandel gestalten

Dietamr Schäfers

Der stellvertretende IG BAU-Vorsitzende Dietmar Schäfers IG BAU/Paul Schimweg

Der stellvertretende IG BAU-Vorsitzende Dietmar Schäfers ist auch im neugewählten IG BAU-Vorstand zuständig für das Handwerk. Im handwerksinfo erklärt er, welche Herausforderungen er in den kommenden vier Jahren angehen will.

Mit der einschneidenden Novellierung der Handwerksordnung im Jahr 2004, dem zunehmenden Druck auf den Arbeitsmarkt durch die EU-Osterweiterung und nicht zuletzt durch den demographischen Wandel, haben sich die Bedin­gungen für das Handwerk verändert. Dies hat auch Auswirkungen auf die gewerkschaftliche Handwerksarbeit.

Am Beispiel der Fliesenleger ist diese Veränderung deutlich erkennbar. Die Arbeitnehmer im Fliesenlegerhandwerk waren noch vor 15 Jahren überwiegend in festen, unbefristeten Arbeitsverhältnissen mit Spitzenlöhnen beschäftigt. Ein großer Teil der Arbeitnehmer wurde seit 2004 mit erheb­lichen negativen Auswirkungen in die Selbstständigkeit gezwungen. Prekäre Arbeitsverhältnisse am Rande der Legalität, wie Scheinselbständigkeit und Selbstausbeutungsbedingungen, gehören zum Alltag. Und der Wegfall der Meisterpflicht, die Fliesenleger wurden in die Anlage B der Handwerks­ordnung aufgenommen, führte dazu, dass die Ausbildungsbereitschaft stark gesunken ist. Schon heute ist der Fachkräftemangel der Zukunft erkennbar.

Dieser Prozess vollzieht sich in fast allen Handwerksberufen. Wir haben es deshalb mit weiter schrumpfenden Betriebsgrößen zu tun. Es gibt aber auch eine entgegengesetzte Entwicklung. Das Handwerk übernimmt nicht nur industriemäßige Fertigungsprozesse, sondern auch Unternehmensstrukturen. So stellt sich die Handwerksgruppe Philip Mecklenburg GmbH beispiels­weise als Konzern im Malerhandwerk auf – viele kleinere Betriebseinheiten unter einer Führung. Dem wird die IG BAU mit der branchenorientierten Betreuung der Einzelbetriebe begegnen. Koordiniert wird diese Arbeit durch den Bundesvorstand und die Branchensekretäre. Damit haben die Kollegen vor Ort einen Ansprechpartner, der auch die Gesamtsituation des Unter­nehmens im Blick hat.

Handwerksarbeit findet aber nicht nur über die betriebliche Betreuung statt. Dem politischen Wirken in den Gremien der Handwerkskammern und den Innungen kommt gleichermaßen Bedeutung zu. Umso mehr, wenn Innungen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht mehr nachkommen. Sie erklären sich für nicht mehr tariffähig oder bieten Mitgliedschaften ohne Tarifbindung an. Hier müssen wir unsere Mitwirkungs-und Mitbestimmungsrechte wieder mehr wahrnehmen und intensivieren. Insbesondere die Arbeit der Gesellenausschüsse muss den veränderten Bedingungen angepasst werden. Das fängt damit an, dass zukünftig nicht nur die Gesellen, sondern alle Beschäf­tigte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung sowie die Helfer und Auszubildenden in den Gesellenausschüssen zu beteiligen sind.

Eine besondere Bedeutung kommt der Zusammenarbeit mit den Arbeit­nehmer-Vizepräsidenten und den Arbeitnehmervertretern im Vorstand der Handwerkskammer zu. Diese sollen das gewerkschaftliche Sprachrohr in der Handwerkskammer sein und mehr als bisher in die Fachgruppenarbeit einbezogen werden.


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