Deutscher Gewerkschaftsbund

12.10.2016
Ausbildungsreport 2016

Mit Stress und hoher Belastung ins Berufsleben

Über 13.600 Auszubildende wurden dieses Jahr für den 11. Ausbildungsreport der DGB-Jugend befragt. Rund 10 Prozent der Befragten absolvierten eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf. Dabei ist die Mehrheit aller Auszubildenden mit ihrer Ausbildung zufrieden (71,7 Prozent), die Auszubildenden im Handwerk bewerten ihre Ausbildung kaum weniger positiv. Dort sind immerhin 68,9 Prozent mit ihrer Ausbildung zufrieden. Dennoch belegt ein handwerklicher Beruf den letzten Platz des Rankings: Fachverkäufer/ in im Lebensmittelhandwerk. Unter den Berufen mit den schlechtesten Bewertungen liegt zudem der Ausbildungsberuf Maler/innen und Lackierer/innen. „Das Handwerk hat offensichtlich ein Qualitätsproblem“, sagt DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller.

 

DGB-Pressekonferenz

DGB-Vorstandsmitglied Elke Hannack und DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller stellen den Ausbildungsreport vor. DGB

Zudem liegt fast jedem zweiten Auszubildenden im Handwerk kein betrieblicher Ausbildungsplan vor. Bei allen anderen Berufen betrifft dieses Problem rund 34 Prozent der Auszubildenden. Auch müssen rund 15 Prozent der Auszubildenden häufig oder immer ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben. Die Dunkelziffer dürfte hier noch wesentlich höher sein, da die jungen Menschen ohne einen betrieblichen Ausbildungsplan oftmals gar nicht bewerten können, welche Tätigkeiten zu ihrer Ausbildung gehören und welche nicht.

Handwerk hat goldenen Boden? Nicht in der Ausbildung, belegt der Ausbildungsreport. Nahezu jeder dritte Auszubildende (27,1%) verdient zwischen 250 – 500 Euro im Monat. Das ist deutlich zu wenig für ein eigenständiges, aktives Leben inmitten der Gesellschaft. Florian Haggenmiller: „Die DGB-Jugend fordert eine existenzsichernde Ausbildungsvergütung, die sich an den geltenden Tarifverträgen orientiert. Dort wo Arbeitgeber sich aus der Tarifbindung verabschieden, fordern wir eine Ausweitung von Allgemeinverbindlichkeitserklärungen. Bei den angehenden Bäcker/ innen hat das schon funktioniert.“

Schwerpunkt: Psychische Belastungen

Dass die Belastungen junger Menschen bereits am Anfang des Berufslebens enorm hoch sind, belegt der diesjährige Schwerpunkt des Reports. „Seit Jahren geben die Auszubildenden an, dass sie immer größere Probleme haben, sich in ihrer Freizeit von der Ausbildung zu erholen“, sagt Haggenmiller. „Für uns ist das ein Alarmsignal, dem wir in diesem Jahr nachgegangen sind.“

Rund jeder fünfte Auszubildende im Handwerk fühlt sich in hohem oder sehr hohem Maß durch ständige Erreichbarkeit belastet, die Hälfte der Auszubildenden geht immer oder häufig krank zur Arbeit. Über ständige Konzentrationsschwierigkeiten bei der Ausbildung klagen 22 Prozent. 23,4 Prozent fühlen sich immer oder häufig schwach und krank, noch mal so viele haben schon mal über einen Abbruch der Ausbildung nachgedacht. „Stress und hohe Belastungen schon am Beginn des Berufslebens sind für junge Menschen heute bitterer Alltag“, stellt Haggenmiller fest.

Dass es in vielen Fällen nicht bei dem Gedanken an einen Abbruch bleibt, zeigt auch der Berufsbildungsbericht der Bundesregierung. Unter den TOP10-Berufen mit den höchsten Abbruchsquoten finden sich auffällig viele Handwerksberufe. Haggenmiller: „Die Jugendlichen ziehen die Konsequenz aus der miserablen Ausbildungsqualität und stimmen mit den Füßen ab.“ Wer verhindern wolle, dass den Nachwuchskrisen in einigen Branchen eine Krise des gesamten Dualen Systems folgt, müsse jetzt die Qualität verbessern und das Berufsbildungsgesetz modernisieren. „Jetzt ist die Politik gefragt“, so der DGB-Bundesjugendsekretär, „und statt über eine vermeintlich mangelnde Ausbildungsreife der Azubis zu jammern, sollten die Betriebe endlich anpacken und ihre Ausbildung besser machen“.

Grafik Ranking der Handwerksberufe

DGB


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