Deutscher Gewerkschaftsbund

12.07.2016

Landtag NRW: Zukunft des Handwerks

Eine Enquete-Kommission des nordrheinwestfälischen Landtags hat in den vergangenen Monaten Herausforderungen und Chancen des Handwerks in NRW analysiert. WissenschaftlerInnen, VerbändevertreterInnen und Gewerkschaften haben ihr Wissen und ihren Rat eingegeben – unter ihnen der DGB.

Landtag NRW

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Wettbewerb um Jugendliche behaupten können. An dieser Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert. Der DGB fordert die Arbeitgeber deshalb auf, wieder in die Tarifbindung zurückzukehren. Nur mit Tarifverträgen, guten Löhnen und verlässlichen Perspektiven kann der Nachwuchs für das Handwerk begeistert werden. Handwerksorganisationen, Wirtschaftsministerium und Gewerkschaften gemeinsam über Herausforderungen und Lösungen diskutieren. „In einem Branchendialog Handwerk in NRW können die Herausforderungen für das Handwerk passgenau diskutiert und gemeinsame Lösungen entwickelt werden“, erklärt DGB-Handwerksexperte Helmut Dittke.

Um etwa die Ausbildungsquote im Handwerk zu steigern, schlägt der DGB vor, schon bei der Berufsorientierung anzusetzen. Jugendliche sollen früher als bisher über ihre Chancen im Handwerk informiert werden. Zudem gelte es aber auch Gruppen in den Blick zu nehmen, die bisher vernachlässigt worden sind. So sollen vor allem Frauen wesentlich intensiver für eine Karriere im Handwerk gewonnen werden. Auch auf junge Menschen mit zusätzlichem Förderbedarf oder einem Migrationshintergrund sollen die Arbeitgeber gezielt zugehen. „Eine zentrale Rolle für die Unterstützung der Qualität in der Ausbildung nimmt die Ausbildungsberatung bei den Handwerkskammern ein. Sie soll stärker auf die Bedürfnisse der genannten Zielgruppen ausgerichtet werden“, schlägt der DGB vor.

DGB würdigt die gemeinsame Arbeit der Sozialpartner

Einen maßgeblichen Beitrag zur Qualifizierung leisten neben den Betrieben die überbetrieblichen Berufsbildungsstätten und Kompetenzzentren im Handwerk sowie die organisationseigenen Angebote des Handwerks zur Betriebs- und Unternehmensberatung. Diese Einrichtungen sind mit ihren Leistungen auch Garanten für den Technologietransfer in Deutschland und sollen gestärkt werden. Der DGB würdigt die gemeinsame Arbeit der Sozialpartner in der Selbstverwaltung des Handwerks etwa bei der Modernisierung der Ausbildungsordnungen. ZDH und DGB suchten nach Möglichkeiten einer intensivierten Zusammenarbeit auf diesem Feld.

Helmut Dittke betonte, dass das Thema Fachkräftesicherung deshalb ein zentraler Aspekt im Branchendialog Handwerk ist. Seit 2015 diskutieren und analysieren das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der DGB gemeinsam Herausforderungen und Chancen für das Handwerk. Um die Herausforderungen im Handwerk auch in Nordrhein-Westfalen gemeinsam zu diskutieren und gemeinsam möglichst ergebnisorientierte Handlungsoptionen zu entwickeln, schlägt der DGB einen regionalen Branchendialog für das Handwerk in Nordrhein-Westfalen vor. So sollen auch auf Länderebene Das Handwerk ist der bedeutendste und vielseitigste Wirtschaftszweig in Nordrhein-Westfalen. Im NRW-Handwerk arbeiten in über 188.800 Betrieben mehr als 1,1 Millionen Beschäftigte. Sie erwirtschaften laut Westdeutschem Handwerkskammertag einen Jahresumsatz von 113,1 Milliarden Euro.

Große Herausforderungen für das Handwerk

Damit ist das Handwerk der stärkste Wirtschaftsbereich an Rhein und Ruhr. Doch das Handwerk steht vor großen Herausforderungen: Digitalisierung, Integration der Flüchtlinge und die Energiewende – all diese Themen werden in den kommenden Jahren das Handwerk fordern. Um Chancen und Herausforderungen zu analysieren, hat der Landtag in NRW eine Enquete-Kommission eingesetzt.

Dumpinglöhne vergraulen den Nachwuchs

Ein zentraler Aspekt für die Zukunftsfähigkeit des Handwerks ist die Fachkräftesicherung. Schon heute klagen viele Gewerke über fehlenden Nachwuchs. Aus Sicht des DGB sind die Ursachen fast immer hausgemacht. Jahrelange Tarifflucht, Dumpinglöhne und wenig attraktive Arbeitsbedingungen vergraulen den Nachwuchs. In seiner Stellungnahme vor der Enquete-Kommission stellt DGB-Handwerksexperte Helmut Dittke fest, dass das Bundesinstitut für Berufsbildung bereits 2009 zu dem Schluss kam, dass „nur Betriebe, die im Ruf stehen, eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu bieten“, sich im


Zukunft des Handwerks in NRW

Am 23. Juni 2015 hat sich die durch den NRW-Landtag eingesetzte Enquete-Kommission „Zukunft von Handwerk und Mittelstand in NRW" konstituiert. Der Präsident des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstag (NWHT) Andreas Ehlert ist als Sachverständiger der CDU Mitglied der Kommission. Das Handwerk ist zudem durch den Vizepräsidenten des WHKT und der Handwerkskammer Aachen, Felix Kendziora (SPD-Fraktion), und durch den Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertag, Reiner H. Nolten (FDP-Fraktion), vertreten. Den Vorsitz hat der FDP-Abgeordnete Ralph Bombis. Im Herbst wird die Kommission einen Abschlussbericht vorlegen. Auf der Internetseite des Landtages NRW stehen weitere Infos und Dokumente der Kommission online zur Verfügung.

http://bit.ly/enq_nrw

 


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