Deutscher Gewerkschaftsbund

12.12.2017
Nur hohe Qualität sichert die Zukunft des Handwerks

Anpassung der Handwerksordnung

Der DGB und seine Handwerksgewerkschaften haben ihre Forderungen zu einer möglichen Evaluierung der Handwerksordnung formuliert. Um auch in Zukunft hohe Handwerksqualität auf technologisch höchstem Niveau und mit guten Fachkräften zu erreichen, braucht es eine Anpassung der Handwerksordnung (HwO). Hier formulieren wir unsere Bedingungen.

Das Handwerk ist eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und Träger der dualen Ausbildung. Seit Jahren erleben wir einen Strukturwandel, der sich durch den digitalen Umbruch noch beschleunigt. Eine Anpassung der Handwerksordnung ist überfällig.

Meisterbrief und Flächentarif als Qualitätsgaranten

Im europäischen Kontext ist der Meisterbrief ein Begriff. Wir prüfen, inwieweit der Meisterbrief für weitere Berufsbilder (wieder-)eingeführt werden kann – auch als Garant für die duale Ausbildung.

Subunternehmerketten mit Soloselbständigen sehen wir auch im Handwerk als gefährliche Struktur, die zu unfairem Wettbewerb führt. Darunter leiden besonders Bau- und Ausbaugewerbe sowie Gebäudereiniger.

Evaluierung der Handwerksordnung

Auch die mangelnde Tarifbindung macht den Beschäftigten im Handwerk zu schaffen: Das Beispiel Kfz-Handwerk zeigt, dass es nur noch in zwei Bundesländern Flächentarifverträge gibt, also Verträge, die landesweit für alle Betriebe gelten. Vielmehr haben Innungen in den letzten Jahren erklärt, dass sie sich nicht für Tarifverträge zuständig fühlen – und Tarifgemeinschaften gegründet, die nun die Tarifverträge aushandeln. Jedoch sind in den Tarifgemeinschaften nur ein Bruchteil der Innungsmitglieder. Diesem Trend müssen wir entschieden entgegentreten.

Zukunft aktiv gestalten – statt hinterherzurennen

Für Innungen und Innungsverbände als Sozialpartner der Gewerkschaften müssen Tarifbindung und Flächentarifverträgen endlich wieder zum guten Ton im Handwerk gehören. Das Hugo-Sinzheimer-Institut für Arbeitsrecht beauftragte ein Gutachten zur Evaluierung der Handwerksordnung. Innungen und auch Innungsverbände sind öffentlich-rechtliche Institutionen. Sie können und sollen Tarifverträge abschließen, so der Autor, Prof. Dr. Winfried Kluth von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Tarifverhandlungen führen zu können und Tarifverträge abzuschließen ist ein Privileg, das ihnen von Gesetzgeber verliehen wurde. Kommen sie diesem nicht nach, so sollen Innungen ihren Status der Körperschaften des öffentlichen Rechts verlieren. Als Konsequenz würden sie die Fähigkeit verlieren, Gesellenprüfungen abzunehmen.

In dem aktuellen Gutachten wird auch eine attraktivere Gestaltung von Innungssatzungen überprüft: Die Stimmenzahl pro Betrieb soll in Tariffragen nach der Anzahl der Beschäftigten gestaltet werden.

Damit sich das Handwerk dynamisch weiterentwickeln kann, fordern DGB und Gewerkschaften eine Anpassung der Handwerksordnung, die auf innovative und leistungsfähige Handwerksbetriebe mit attraktiven Arbeits- und Ausbildungsbedingungen setzt, anstatt Verdrängungswettbewerb und unfaire Geschäftsmodelle zu fördern.


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