Deutscher Gewerkschaftsbund

07.04.2016

Entgeltgleichheit im Handwerk: Eine Frage der Gerechtigkeit

Weiterhin ist der durchschnittliche Lohnabstand zwischen den Gehältern von Frauen und Männern mit 21 Prozent sehr hoch. Für den DGB steht fest: Es ist allerhöchste Zeit, dass Frauen und Männer in der Arbeitswelt gleichgestellt werden. Worauf es dabei ankommt – auch im Handwerk – zeigen wir hier.

Wer meint, der Ruf nach Gleichstellung der Geschlechter gehöre in Deutschland in das vergangene Jahrhundert, der irrt gewaltig. Denn der durchschnittliche Abstand zwischen den Gehältern von Frauen und Männern beträgt hierzulande immer noch rund 21 Prozent (Gender Pay Gap). Mit dieser Entgeltlücke zählt Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa, wenn es um die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern geht.

Equal Pay Day

Männer haben am letzten Tag des Jahres ihr Jahresgehalt erwirtschaftet. Frauen müssen über diesen Tag hinaus – eben bis zum Equal Pay Day – weiter arbeiten, um auf das Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. Frauen arbeiten also zu Beginn eines Jahres quasi 79 Tage umsonst. Der Equal Pay Day markiert den Stichtag, ab dem Frauen endlich für ihre Arbeit bezahlt werden. Das ist in diesem Jahr der 19. März – Anlass für zahlreiche Organisationen, gleiches Entgelt für gleiche und gleichwertige Arbeit zu fordern.

Auszubildende mit Ausbilder in Kfz-Werkstatt

Colourbox.de

Für den DGB steht fest: Wo Tarifverträge gelten und wo Betriebsräte mitbestimmen, schrumpft die Entgeltlücke. Tarifverträge und betriebliche Mitbestimmung sind ein wirksamer Schutz gegen unmittelbare Diskriminierung. Mit dem Mindestlohn, für den GewerkschafterInnen lange gekämpft haben, wird sich die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern verringern. Wird er gesetzeskonform umgesetzt und wirksam kontrolliert, hat jede vierte erwerbstätige Frau Anspruch auf eine Lohnerhöhung. Mit diesem wichtigen Schritt verbessern sich Chancen auf eine eigenständige Existenzsicherung für Frauen.

Entgeltgleichheit durchzusetzen

Der DGB fordert: Gesetzliche Regelungen um die Entgeltgleichheit auf betrieblicher Ebene durchzusetzen. Unternehmen werden verpflichtet, ihre Entgeltpraxis geschlechtergerecht zu gestalten. Es gilt aus Gewerkschaftssicht auch den Blick auf die Berufswahl zu richten. Gerade im Handwerk gibt es viel zu tun, damit sich mehr Frauen für technische Handwerksberufe entscheiden. Dabei gilt es einiges zu beachten: Zwar haben Frauen inzwischen bei der Bildung die Nase vorn, doch bei der Berufswahl entscheiden sich Frauen immer noch eher für Jobs mit vergleichsweise ungünstigen Einkommensperspektiven. Bessere Bedingungen gibt es häufig in den so genannten MINT-Berufen – also Jobs in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Zur letzten Gruppe zählen auch viele Handwerksberufe.

Der DGB macht sich dafür stark, dass sich Stereotype verändern und junge Menschen ihre Ausbildung oder ihr Studium entsprechend ihrer Fähigkeiten und Interessen wählen. Verschiedene Projekte sollen jungen Menschen bei der richtigen Berufswahl helfen. Etwa der nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT“: Der ZDH will seit 2015 als neuer Pakt-Partner in Zukunft stärker die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die das Handwerk im Bereich MINT bietet, bewerben und durch Berufsorientierungs- und Unterstützungsangebote mehr Mädchen und Frauen für stark technisch orientierte Handwerksberufe werben.

Unfreiwilliger und geringer Teilzeit im Fokus

Doch weitere Schritte müssen folgen, denn häufig fallen bei erwerbstätigen Frauen niedrige Stundenlöhne und ein geringes Arbeitsvolumen zusammen. Immer mehr Frauen sind berufstätig – aber viel zu oft in unfreiwilliger und geringer Teilzeit. Sollen sich die Einkommen von Frauen und ihre Aufstiegschancen verbessern, müssen sie ihre Arbeitszeiten den jeweiligen Lebensphasen anpassen können.

Der Mindestlohn war nur der Anfang: Es braucht faire, tarifgebundene Löhne, gute Arbeitsbedingungen und eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am Erwerbsleben. Deswegen fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund, dass bestehende Tarifverträge eingehalten und der gesetzliche Mindestlohn als Lohnuntergrenze konsequent gezahlt wird. Der Grund: Frauen müssen besonders häufig für Dumpinglöhne arbeiten. Auch das betrifft das Handwerk, etwa im Bereich der Gebäudereinigung. Die Minijobs müssen nachhaltig reformiert werden, um die soziale Sicherung ab der ersten Arbeitsstunde zu gewährleisten.

Faire Aufstiegschancen für Frauen

Der DGB setzt sich zudem ein für faire Aufstiegschancen für Frauen. Die Gewerkschaften wollen mehr Frauen in den Führungsfunktionen – und zwar auf allen Hierarchie-Ebenen, von der Vorarbeiterin, über die Meisterin, die Geschäftsführerin bis hin zur Aufsichtsrätin. Zudem soll es einen Rechtsanspruch auf die Rückkehr aus Teilzeit in Vollzeitbeschäftigung und einen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit geben.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, damit sich die Bedingungen für Frauen verbessern. Die Angebote für qualitativ hochwertige Betreuung für Kinder und Pflegebedürftige muss ausgebaut werden.


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